Fragen und Antworten

Die Nachfrage regelt das Milchangebot.

Je mehr Milch Ihr Kind trinkt, desto mehr Milch stellt Ihre Brust zur Verfügung. Ebenso verringert sich die Milchmenge, wenn weniger Milch verlangt wird. Hier sind einige Hinweise, wie eine ausreichende Milchmenge und ein zufriedenes, gut gedeihendes Baby gewährleist werden können:


Nach den ersten Lebenstagen stellen sich die meisten Neugeborenen auf 8 bis 12 oder mehr Stillmahlzeiten in 24 Stunden ein. Viele Babys stillen meist in kürzeren Abständen und legen nur eine längere Schlafpause ein.

Häufige, kürzere Stillmahlzeiten regen die Milchproduktion gut an und sind für Mutter und Kind angenehmer als überlange Trinkperioden mit langen Zwischenpausen, weil die Brust dann nicht so leicht spannt und das Baby nicht über Unruhe-/Hungerphasen hinweg getröstet werden muss.


Eine Stillzeit von 10 bis 30 Minuten liegt in der Norm. Kürzere und längere Stillmahlzeiten sind ebenfalls in Ordnung so lange Ihr Baby eine gute Gewichtsentwicklung hat. Es stimmt nicht, dass der Großteil der Milch in den ersten 10 Minuten getrunken wird, da eine Mutter kontinuierlich bis zu 6 Milchspendereflexe pro Stillmahlzeit hat. Die Zusammensetzung der Milch verändert sich während der Stillmahlzeit. Erst fließt die wenig fetthaltige Vormilch, die den Durst des Babys löscht (es aber im Gegensatz zu Tee mit Vitaminen, Mineralien und Abwehrstoffen versorgt). Im Verlauf steigt der Fettgehalt an bis gegen Ende der Mahlzeit die fettreiche Hintermilch dafür sorgt, dass das Baby satt ist, die Brust zufrieden loslässt und gut zunimmt.

Wenn Ihr Baby sehr lange Stillmahlzeiten hat und dabei nicht gut zunimmt, suchen Sie Hilfe bei Ihrer Laktationsberaterin IBCLC.


In den ersten Lebenswochen sollten dem Stillkind keine Flaschen oder Beruhigungssauger gereicht werden, da bis zum Alter von sechs Wochen die Gefahr einer Saugverwirrung groß ist.

Ein gesundes Neugeborenes braucht nur Muttermilch. Künstliche Säuglingsnahrung, Wasser oder Tee sind nicht anzuraten, da dies in den Zyklus der Anpassung der Milchmenge an die Bedürfnisse des Säuglings eingreift und zu mangelnder Milchmenge führen kann.

Um Komplikationen zu vermeiden, ist es daher am Besten, zu Anfang das Saugbedürfnis des Kindes ausschließlich an der Brust zu „stillen“, und später, falls in Abwesenheit der Mutter eine Mahlzeit gegeben wird, gesammelte Muttermilch zu verwenden. (siehe dazu Entleeren der Brust)


Fragen, Sorgen und Lösungen

Es ist nicht so einfach festzustellen, wie viel Milch ein gestilltes Kind zu sich nimmt. Achten Sie daher auf folgende Zeichen, um diese Frage beantworten zu können: Ein Kind, das zufrieden und lebhaft ist, häufig stillt, 6 bis 8 nasse (schwere) Windeln und in den ersten vier Wochen 2 mal oder öfter Stuhlgang am Tag hat, ist sicherlich ausreichend versorgt.

Nach der Geburt dürfen Kinder bis zu 10% ihres Geburtsgewichtes abnehmen. Nach ungefähr 8 – 10 Tagen sollten sie ihr Geburtsgewicht wieder erreicht haben und dann pro Woche 200 – 250 g oder sogar mehr in den ersten 3 – 4 Monaten zunehmen.


In den ersten Tagen sagen viele Mütter, dass ihre Brustwarzen empfindlich oder gereizt sind. Dies ist kein Grund zur Sorge, da die Empfindlichkeit vergeht, sobald mehr Milch fließt. Schmerzen die Brustwarzen allerdings während der gesamten Stillmahlzeit sehr, oder entstehen Risse und Rhagaden, braucht man Hilfe, um eine Unterbrechung des Stillens zu vermeiden.

Die häufigsten Ursachen für wunde Warzen sind schlechtes Erfassen der Brust, eine schlechte Stillposition des Babys, ein Kind, das während der Stillmahlzeit abrutscht, Hautreizungen durch Stoffe, Waschmitteln oder Pflegemitteln. Weniger oft sind die Beschwerden auf Saugprobleme des Babys, Soor oder Hauterkrankungen zurückzuführen.

Was Linderung bringt: Korrektes Anlegen/Erfassen der Brust, Stillpositionen wechseln, auf der weniger schmerzenden Seite anfangen zu stillen, am Ende der Stillmahlzeit Hintermilch auf der Warze antrocknen lassen, Licht und Luft an die Warzen lassen, zwischen den Mahlzeiten trocken halten (Stilleinlagen wechseln, Baumwollwäsche tragen, Synthetikwäsche vermeiden). Bei stark schmerzenden Brustwarzen bitten Sie Ihre Still- und Laktationsberaterin um gezielte Hilfe.


Der initiale Milcheinschuss, wenn sich das cremige, immunstoffreiche Kolostrum in reife Muttermilch wandelt, bringt für manche Mütter eine starke Brustdrüsenschwellung mit sich. Häufiges Anlegen des Kindes ist die beste Methode, die frühe Milchbildung zu fördern und die Schwellung, die durch verstärkten Blutzufluss verursacht wird, nicht so stark werden zu lassen bzw. zum Abklingen zu bringen.

Feuchtwarme Umschläge für 1 bis 3 Minuten vor dem Anlegen erleichtern das Fließen der Milch.

In schwierigen Fällen, wenn der Säugling nicht an der prallen Brust trinken kann, muss vor dem Anlegen mit einer guten Pumpe oder von Hand die Brust etwas entleert werden.

Nach der Stillmahlzeit sollten kalte Umschläge, z.B. kalte, nasse Tücher, Eisbeutel, Beutel mit gefrorenen Erbsen oder Kirschkernen (Gefrorenes immer vorher mit einem trockenen Tuch umwickeln!), für 20 Minuten angewendet werden. Weißkohlblätter können ebenfalls verwendet werden, sie können bis zum nächsten Stillen auf der Brust bleiben. Dies bringt die Schwellung zum Abklingen, wirkt schmerzlindernd und zögert das schnelle Nachfüllen etwas hinaus.

Beim Milchstau, der meist das Ergebnis von zu langen Stillpausen oder Druck auf eine Stelle des Drüsengewebes ist, ist Ausruhen die erste Mutterpflicht. Die oben beschriebenen Maßnahmen sind auch hier hilfreich. Zusätzlich kann man das Kind immer an der gestauten Brust zuerst anlegen. Dabei darauf achten, dass eine Stillposition gewählt wird, in der das Baby den Stau besonders gut entleeren kann (Unterkiefer des Babys soll zu der gestauten Stelle weisen), und den Milchfluss an der gestauten Stelle nach Einsetzen des Milchspendereflexes ganz sanft durch flächiges Handauflegen in Richtung Brustwarze unterstützen.


Auch durch Weinen und Schreien kann sich das Kind in der ersten Lebenszeit schon verständigen. Ignorieren Sie daher nie die Signale Ihres Kindes, es braucht auf jeden Fall Zuwendung, auch wenn Sie den Grund des Unbehagens nicht immer finden können. Vielleicht möchte Ihr Baby gestillt werden – ob aus Hunger oder zur Beruhigung, das Saugen an der Brust und Hautkontakt (nackte Mamahaut an nackter Babyhaut) sind in vielen Fällen das, was das Baby zufrieden stellt.

Auch rhythmische Bewegung wie Wiegen, auf dem Arm oder im Tragetuch herumtragen ist beruhigend. Das Ticken einer Uhr, das Summen eines Ventilators oder sanfte Musik können auch helfen. Wenn es scheint, als hätte das Kind Bauchschmerzen, achten Sie durch gute Anlegetechnik darauf, dass das Baby beim Stillen so wenig Luft wie möglich schluckt. Danach ist oft ein Bäuerchen hilfreich. Eine Tragehaltung die etwas Druck auf den Bauch ausübt, über Ihre Schulter „hängend“ oder in der „Fliegerhaltung“ auf dem Arm empfinden die Babys oft als angenehm.

Manche Säuglinge weinen mehr, schlafen weniger und sind ganz einfach pflegeintensiver als andere. Jedes Baby hat eine eigene Persönlichkeit.

Versuchen Sie, nicht zu viel mit anderen Babys zu vergleichen. Stellen Sie sich auf die Bedürfnisse Ihres Babys ein und finden Sie möglichst viel Unterstützung und Hilfe für sich selbst.


Wenn Ihr Kind regelmäßig, meistens am späten Nachmittag oder abends, sehr unruhig ist und schreit, ist anzunehmen, dass es sich dabei um sogenannte 3-Monats-Koliken handelt. Dies ist wahrhaftig eine Herausforderung, da es außer viel Zuwendung und Geduld kaum ein Patentrezept für dieses Problem gibt.

Trösten Sie sich damit, dass das Baby nicht krank ist, dass Sie nichts mit dem Kind „falsch“ machen, und dass die Schwierigkeiten abnehmen, nachdem das Kind etwas älter geworden ist.


Mit etwas Übung ist diese Methode genauso hygienisch und effektiv wie eine elektrische Brustpumpe. Sie sind damit unabhängig von technischen Hilfsmitteln und Elektrizität. Viele Frauen bevorzugen das Entleeren der Brust von Hand, weil sie es als angenehmer empfinden als das Benutzen einer Brustpumpe, die auch noch zusätzlich Arbeit mit der Reinigung macht. Vor dem Entleeren der Brust waschen Sie sich gründlich die Hände, stellen Ihr sauberes Milchauffanggefäß bereit und ein sauberes Tuch für eventuell „entkommene“ Milchtropfen. Das Tuch soll sauber sein, damit Ihre gewaschenen Hände nicht wieder mit Bakterien in Kontakt kommen.

Beim Entleeren der Brust von Hand soll mit den Fingern die Zungenbewegung nachgeahmt werden, mit der der Säugling die Milch aus den Brüsten entleert. Nach sorgfältigem Händewaschen nimmt man die Brust in die Hand, Daumen und Zeigefinger formen ein „C“ und liegen mit den Fingerspitzen ca. 3 – 3,5 cm hinter der Brustwarze. Es soll eine gedachte Linie zwischen den Fingerspitzen über die Brustwarze hinweg gehen.
Nun wird die Brust leicht angehoben, Daumen und Fingerspitzen drücken dann
etwas in Richtung Brustkorb und werden anschließend mit leichtem Druck auf das Brustdrüsengewebe (darf nicht wehtun) nach vorne zur Brustwarze geführt ohne auf der Haut zu rutschen.

Die Haut der Areola schiebt sich dabei zusammen. Danach soweit locker lassen, bis die
Brust nur noch leicht von der Hand gehalten wird, Finger und Daumen gehen in die Ausgangsposition 3 – 3,5 cm hinter der Brustwarze zurück. Das „locker lassen“ ist wichtig, damit die Milch nachfließen kann.
Nun wird wieder von vorn begonnen. Die Entleerung muss so rhythmisch sein wie ein
Baby auch trinken würde: Brust anheben, Finger in Richtung Brustkorb spreizen, Fingerspitze und Daumen zur Brustwarze zusammenführen, lockerlassen. Sobald der Milchfluss an dieser Stelle versiegt, muss die Hand um die Brust verschoben werden, um alle Bereiche der Brust zu erreichen. Die Milch sollte in einem sauberen Gefäß aufgefangen und verschlossen gleich hinten in den Kühlschrank gestellt werden. Dort ist sie 5 Tage bis 1 Woche haltbar.


Manche Neugeborene sind in den ersten Tagen schläfrig. Sie wachen vielleicht nicht oft genug zum Stillen auf. Denken Sie daran, Neugeborene müssen mindestens 8 – 12 x/24 h stillen.
Manche Babys schlafen auch wieder ein, nachdem sie angefangen haben zu stillen.
Hier sind ein paar Möglichkeiten, wie man ein Baby wecken kann. Babys sind unterschiedlich und reagieren auf die verschiedenen Methoden auch unterschiedlich. Probieren Sie aus, was Ihr Baby wach hält. Wenn etwas nicht (mehr) wirkt, versuchen Sie eine andere Variante.

Stimulieren Sie alle Sinne Ihres Babys

  • Ziehen Sie Ihr Baby bis auf die Windel aus, damit es durch die Raumtemperatur stimuliert wird
  • Nehmen Sie Ihr Baby vor dem Stillen für 15 – 30 Minuten in Hautkontakt
  • Reiben Sie sanft die Haut und massieren Sie Ihr Baby an verschiedenen Körperstellen von oben bis unten, streichen Sie über seinen Kopf, seine Fußsohlen, auf und ab entlang der Wirbelsäule, über den Bauch, entlang der Arme, streichen Sie über den Oberbauch.
  • Regeln Sie die Beleuchtung so, dass Ihr Baby dadurch stimuliert wird, das Licht aber nicht zu grell ist, sodass Ihr Baby seine Augen öffnen mag und sie nicht zukneifen muss.
  • Wenden Sie den „Puppenaugentrick“ an: Bewegen Sie Ihr auf Ihrem Schoß zu Ihnen gewandt sitzendes Baby sanft mit dem Oberkörper auf und ab bis es die Augen öffnet.
  • Sprechen Sie Ihr Baby an. Babys reagieren auf die Stimme ihrer Mutter.
  • Lassen Sie das Baby für einige Minuten an Ihrem sauberen Finger saugen.
  • Entleeren Sie etwas Muttermilch aus der Brust und halten Sie sie unter Babys Nase. Lassen Sie etwas Muttermilch über die Brustwarze laufen während sie das Baby anlegen.
  • Bewegen Sie die Brustwarze in Babys Mund (achten Sie darauf, dass es dann nicht nur an der Brustwarze saugt). Wenn der Saugschluss dadurch gebrochen wird, legen Sie ihr Baby neu an.
  • Ändern Sie die Stillposition Ihres Babys von der Wiegen- zur Rückenhaltung und wieder zurück
  • Wechseln Sie zwischendurch die Windeln Ihres Babys.

Wenn sich Ihr Baby trotz Anwendung diverser oben benannter Methoden nicht wecken lässt, ist das ein Grund zur Besorgnis und Sie sollten Ihren Kinderarzt kontaktieren.

Wir weisen darauf hin, dass diese Informationen der generellen Information der Eltern dienen und einem Arztbesuch nicht  gleich kommen oder ihn ersetzen. Beachten Sie immer die Anweisungen ihres Kinderarztes und zögern Sie nicht, seinen Rat zu suchen, wenn Sie über die Gesundheit Ihres Babys besorgt sind.


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